Wie alles begann

Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge von Elf Meter. Ich saß mit einem Kollegen im Auto, wir fuhren zu einem unserer Autorenabende, und spannen am Plot. Da dieser Kollege aus dem Fantasy-Bereich kommt, hatte ich seinen Nerv getroffen – es ging um Geisterbeschwörungen. (Heidrun Bauer beschwört ja im Buch den west-indischen Geist Duppy.) Die Idee meiner Geschichte stieß bei ihm auf großes Interesse und ich war zu diesem Zeitpunkt noch felsenfest davon überzeugt, eine Geschichte für Männer und Frauen schreiben zu wollen. Natürlich auch wegen dem Fußballthema. Doch während der Arbeit am Buch stellte sich heraus, dass es in Richtung Frauenroman gehen würde.

Damit aus den winzigen Anfangsideen ein Buch wird, recherchiere ich meistens vor Beginn der Schreibarbeit. Ich möchte dann immer viel über das Thema wissen (eine Voraussetzung dafür, dass ich ein Buch schreiben möchte) und lese normalerweise einige Sachbücher. Bei Elf Meter war das anders, hier genügten Recherchen im Internet. Das Aufwendigste war, die vielen Figuren zu erarbeiten und mit einem Lebenslauf zu versehen. Das Wissen, welches ich mir bei der Recherche aneigne, verwende ich nur wenig dosiert. Ich versuche, es zu verinnerlichen und nebenbei in den Text einfließen zu lassen, denn ich möchte nicht belehren, ich möchte authentisch sein.

500 Wörter für ein Buch

Am Freitag gab mir eine Kollegin die Gelegenheit, ein Buch in ihrem Blog Wortwucher vorzustellen. Herzlichen Dank, Dorothea Stiller!

Traumtrunken

Dann fing sie an, sich zu fragen. Und mit diesen Fragen und dem Begreifen regneten Tränen vom Himmel und zwangen sie, den Friedhof schnell zu verlassen.“

An Michaelas 19. Geburtstag wird ihr bewusst, dass sie von den Mitbewohnerinnen ihrer Wohngemeinschaft ausgenutzt wird. Die Angst vor Einsamkeit, die sie spürt, seit ihre Mutter sie als Kind verlassen hat, hält sie von einem Auszug ab. Ein Jahr später entschließt sie sich, ein eigenes Apartment zu mieten und lernt Atze kennen, dessen aufdringliche Art sie anfangs abstößt. Sie verabredet sich mit ihm und scheint gefunden, wonach sie lange Zeit gesucht hat. Wenige Monate später zieht sie in seine Wohnung ein. Atze ist Fernfahrer und wochentags meist unterwegs. Michaela fühlt sich alleingelassen und macht ihm Vorwürfe. Doch er möchte seinen Job für sie nicht aufgeben, auch wenn er sich Sorgen um sie macht.

Es war anders. Es war schlimmer. Viel schlimmer. Sie horchte nach drüben. Nichts. Stille. Noch nicht einmal der Fernseher lief.Atze tat ihr leid. Aber jetzt hinübergehen und sich bei ihm entschuldigen? Das konnte sie nicht.“

Plötzlich ist er da – Michaelas Wunsch nach einem Baby, der alle Probleme lösen soll. Atze macht Michaela trotz anfänglicher Begeisterung klar, dass er ihr diese Verantwortung nicht zutraut. Sie resigniert und verliert das Vertrauen in ihn. Warum soll sie das nicht schaffen? Nur weil ihre Mutter es nicht geschafft hat? Sie sucht sich Möglichkeiten der Ablenkung, verbringt die Nachmittage auf Spielplätzen, um ihre Sehnsüchte nach einem Kind zu stillen. Atze wird eines Tages Zeuge davon. Auch in ihrem gemeinsamen Urlaub interessiert sich Michaela nur für den kleinen Rico und versetzt Atze bei gemeinsamen Ausflügen. Als sie nach Hause zurückkehren, begegnet Rico ihr in ihren Gedanken. Er steht vor ihr, lacht sie an und beginnt, für Michaela real zu existieren. Mit ungeahnten Folgen.

Nichts, was ihm aufgefallen war in all den Wochen, und nun das! Seine Frau halluzinierte! Backte Kuchen und feierte Geburtstag mit einem Kind, was nicht existierte! Atze konnte gar nicht glauben, dass er am Donnerstag so ruhig geblieben war. Aber er musste erst mit ihrer Chefin reden, auch wenn er sich schlecht dabei vorkam. Wie ein eifersüchtiger Ehemann, der wissen wollte, ob seine Frau letzten Mittwoch arbeiten war.“

Erzählt wird in zwei Perspektiven. Michaela, die in Erinnerungen an ihre Kindheit und in Konflikten gefangen ist. Und Atze, der längst weiß, dass er nicht mehr ohne Michaela leben möchte. Aber keine Vorstellung hat, wie ein Leben mit ihr funktionieren kann. Auf ihren Höhepunkt zu geht die Geschichte, als Michaela tatsächlich schwanger wird und sie die unterschiedlichen Interessen der beiden Jungen vereinbaren muss. An ihrem letztem Arbeitstag vor dem Urlaub fiebert auch noch das Baby. Und Michaela lässt es mit seinem Bruder allein …

Sie nimmt das Baby mit ins Schlafzimmer hinüber, läuft schnell, als hätte sie es eilig. Doch sie muss es nicht mehr eilig haben. Rico sieht ihr nach, wie sie die Tür hinter sich schließt. Er kann nicht begreifen, was geschehen ist. Wer kann das schon?“

Darf ich vorstellen: Hein vom Gesangsverein

Aus meinen Aufzeichnungen:

Hein Badony (16) ist in Elf Meter der einzige Überlebende des Busunglückes. Er ist Sohn des Leiters des Gesangsvereins (Lothar Badony) und wurde als Kind gehänselt, weil er dort mitsingen musste. Als er älter wurde, macht ihm zum einen das Singen ein bisschen Spaß, zum anderen ist er sehr beliebt in der Schule, allerdings ein bisschen zurückhaltend, obwohl er nicht wirklich schüchtern ist. Eher hat er keine Lust auf Kontakte. Hein ist ein sportlicher Typ. Mit seiner Mutter kommt er gut zurecht, im Buch ist er mit Leon befreundet, dem schüchternen Rocker.

Für die Personen, die in meinen Büchern mitspielen, fertige ich anhand einer Tabelle eine Charakterisierung an und überlege mir Aussehen, Soziale Situation, Verhalten, Interessen, Wertvorstellungen, Vorlieben, Ängste, Wünsche, zentrale Charaktereigenschaften und vieles mehr. Wobei ich gerade hinsichtlich des Aussehen beim Schreiben oft eine Mischung aus zwei realen Personen vor mir habe. Zu Hein habe ich in etwa folgendes notiert: Er hat sich immer eine kleine Schwester gewünscht. Seine Stimme ist etwas brüchig. Dass sein Vater Lehrer war und Vorbildfunktion hatte, war für Hein nicht immer leicht. Er ist recht genügsam, träumt davon, später mal mindestens so viel Geld zu haben wie seine Eltern. Eine Abneigung hat er gegenüber Chaos und dicken Mädchen. Heins größter Wunsch: Eine Fahrt zum/auf dem Nürburgring.

Elf Meter in der Endrunde

Bei LovelyBooks läuft gerade eine Leserunde zu Elf Meter mit sehr sympathischen Vielleserinnen. (Die Gewinnauslosung ist vorbei, wer möchte, kann die Leserunde aber trotzdem verfolgen.) Ich habe mir vorher überlegt, was ich davon erwarte. Nämlich Rezensionen und Eindrücke der Testleserinnen. Davon gibt es reichlich, was für mich als Autorin sehr interessant ist, da Elf Meter von Anfang an ein kontrovers diskutiertes Buch war, das viele ein wenig anders gehabt hätten – nur ich nicht.

Ein Favorit unter meinen Figuren zeichnet sich auch schon ab, es ist Hein vom Gesangsverein – der einzige Überlebende des Busunglückes. Hein als jugendlicher Ich-Erzähler tritt in Prolog und Epilog auf und hat die Leserinnen am meisten berührt. Ich mochte Hein auch von Anfang an, war mir aber nicht sicher, wie ein junger Erzähler auf die Leser eines Erwachsenenbuches wirken würde. Ich werde mal nachsehen, ob ich seine Figurenbiografie noch finde, dann stelle ich ihn euch ein bisschen genauer vor.

Zurück von einer Reise an den Ort des Geschehens

In den Pfingstferien bin ich an den Ort des Geschehens gereist. Lürig. Das war ein komisches Gefühl. Überall lauerten Figuren, hab ich die Häuser meiner Protagonisten vor mir gesehen. Bin ich täglich an dem neu gebauten Stall am Ortseingang vorbeigefahren, habe ich an Micha Schäfer denken müssen, den Schweinebauern. Ganz zu schweigen von Veronika von Binsfeld und Heidrun Bauer, die ganz in der Nähe wohnen und in meiner Fantasie am meisten präsent waren.

Leider waren die Tage vor Ort so stressig, dass wir es nicht geschafft haben, zum Abendessen im „Engel“ vorbeizugehen. Obwohl wir es uns extra vorgenommen hatten und sogar mein Mann, der zu den ersten Lesern von Elf Meter gehört, gespannt darauf war. Bleibt mir also, mich auf ein nächstes Mal zu freuen. Ob die Figuren dann immer noch so lebendig sind?

Ich bin im Geschäft!

Letzte Woche lag Elf Meter bei Amazon auf Rang 45.000. Zugegeben, das ist noch nicht in Bestseller-Reichweite, aber meine selbst verlegten Bücher haben das bislang nicht geschafft und ich liege damit im Bereich vieler mir bekannter Autoren. Also ein Grund, mich zu freuen. Natürlich ging die Zahl seitdem wieder nach oben, aber auch wieder nach unten. Mal sehen, was die bevorstehende Fußball-WM bringt. In einer Woche ist es schon soweit!

Auch wenn ich die Kommentarfunktion auf meinem Blog aus Spam- und Missbrauchsgründen herausgenommen habe, dürft ihr mir natürlich gern eine E-Mail schreiben. Ich bin gespannt, welche Fragen und Themen euch interessieren. Bleibt mir nun, euch ein wunderbar sonniges und entspanntes Pfingstwochenende zu wünschen. Bis bald!

Woher die Idee für Elf Meter stammt

Meine Ideen erreichen mich auf unterschiedliche Weise. Mal ist es ein Titel, der mir zuerst einfällt. (Ja, ich kann aus einem einzigen Titel eine ganze Geschichte machen.) Mal ein Zeitungsartikel, der mich aufmerksam werden lässt. Mal sind es reale Begebenheiten, die haften bleiben oder die ich mir schnell notiere, damit sie haften bleiben. Manche Idee wird dann nicht mehr nachverfolgt, denn alle Bücher, die mir so in den Sinn kommen, könnte ich gar nicht schreiben. Manchmal passen erst nach mehreren Jahren ein paar Puzzleteilchen zusammen. Es gibt aber auch Dinge, die mich nicht mehr loslassen, die immer wieder vor mir auftauchen und danach verlangen, in einer Geschichte verarbeitet zu werden. Am besten sofort. Meistens sind das kleine Miniaturen, die mich von der Dramatik her sehr ansprechen. So ist es auch bei dem Roman gewesen, an dem ich im Moment arbeite.

Bei Elf Meter war die Ideenfindung etwas außergewöhnlicher. Sie stammt aus einem Traum, an den ich mich nur bruchstückhaft erinnern konnte. Hier meine Aufzeichnungen von damals: Bei einem Fußballspiel gab es einen Brand oder Ähnliches. Das halbe Dorf ist gestorben! (Die Männer.) Das war alles. Dazu kam dann irgendwann die Idee für den Namen des Dorfes (Lürig statt Lyrik). Das Personal entwickelte sich vor meinen Augen. Die Verortung. Und einige Grundideen wie die Lebensgeschichte von Heidrun Bauer, die ihren Mann schon vor dem Unglück der Männer loswerden wollte, indem sie seine Leiter manipuliert und er sich dabei (leider nur) einen Beinbruch zugezogen hat. (Aus diesem Grund konnte er natürlich nicht mit den anderen Männern zum Fußballspiel fahren.) Sehr früh war da auch die Idee, das Buch Elf Meter statt Elfmeter zu nennen, das Unglück während eines Elfmeters passieren zu lassen und eine Doppeldeutigkeit einzufügen. Lange wusste ich nicht, was diese elf Meter sein würden. Ich hatte dazu mehrere Ideen und musste mich im Laufe des Buches für eine entscheiden.

Ich mag Rezensionen

Herzlichen Dank an den Rezensenten / die Rezensentin im Kultur-Pfleger. Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, dass das Buch bei den Lesern ankommt.

Auch wenn der Titel des Buches es vermuten lässt. Es ist kein Fußballbuch zur diesjährigen Fußball Weltmeisterschaft, sondern ein Frauenroman voller Gefühl und Komik. Auf dem Weg zum Fußballspiel verunglücken die Spieler der Dorfmannschaft mit ihrem Bus. Zurück bleibt ein Dorf mit vielen verwitweten Frauen der Spieler, die aber eh nicht gut auf ihre Kerle zu sprechen waren. Im nahe zu männerlosen Dorf geht es nun rund und so manch eine Dorfbewohnerin spielt mit dem Gedanken, ihren leider nicht im Bus anwesenden Gatten ebenfalls los zu werden.”

http://www.kulturpfleger.de/bucher/romane-erzahlungen/neuerscheinungen-meine-favoriten-im-mai-2014/

Was Elf Meter mit Fußball zu tun hat

Auf alle Fälle so viel, dass ich auch nicht weiß, wie das „Spiel“ ausgehen wird. Sprich: Wie sich das Buch verkauft. Und ob meine weiteren, selbst publizierten Bücher davon profitieren können. Ich bin mit Elf Meter jedenfalls durch viele Höhen und Tiefen gegangen und deshalb besonders gespannt, wie es bei den Lesern ankommen wird. Beziehungsweise bei den Leserinnen, denn es ist eher ein Buch für Frauen. Also eigentlich ein Anti-Fußball-Buch. Und weil das so negativ klingt: Elf Meter ist genau richtig für Frauen, die sich während der Fußball-WM 2014 die Zeit vertreiben müssen, weil sich ihre Männer vor dem Fernseher, im Lokal nebenan oder vielleicht sogar am Ort des Geschehens in Brasilien tummeln. Und für die fußballbegeisterte Damenwelt sowieso.

Im Buch sterben die Männer eines kleinen Dorfes auf dem Weg zum Saisonauftaktspiel des 1. FC Köln. Ihr Bus steht im Stau, so dass sie das Stadion nicht rechtzeitig erreichen und sich das Spiel im Radio anhören müssen. Während eines Elfmeters verunglückt der Bus. So viel zum Fußball. Dann geht die Geschichte los. Die Frauen müssen ihr Leben nun umorganisieren und haben innerhalb kürzester Zeit nahezu das ganze Dorf auf den Kopf gestellt. Was ich an dieser Stelle nicht verraten möchte ist, warum ich mein Buch Elf Meter statt Elfmeter genannt habe. Das sollen die Leser lieber selbst herausfinden. Viel Spaß dabei!

Start

Ich muss zugeben, ich habe jahrelang keine Blogs gelesen. Es ist nicht so, dass mich andere Menschen nicht interessieren, im Gegenteil, ich liebe Biographien von Leuten, die mich auf irgendeine Art und Weise beeindrucken. Aber diese ganze Informationsflut würde mich stressen. Als Autorin bin ich sowieso mit Kollegen per Internet verbunden. Dazu kommen Facebook und Co., ein reger E-Mail-Verkehr und täglich zahlreiche Stunden am PC. Da möchte man irgendwann auch mal abschalten. Ich bin also eher der Typ, der sich mit einem Magazin auf die Couch legt und gelegentlich in fremdem Leben und Arbeiten stöbert. Beliebte Web-Blogs schaue ich mir höchstens einmal in der Woche an. Um so mehr ist mir daran gelegen, mit meinem Elf Meter Blog eine interessante, kurzweilige Literatur für all jene zu schaffen, die gern nach Neuigkeiten in Blogs suchen. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen!

Elf Meter ist mein erster Roman, der eine Verlagsheimat gefunden hat. Darüber freue ich mich besonders, denn das ist das Ergebnis von jahrelanger Arbeit und Durchhaltevermögen.Es ist ein tragikomischer Roman über ein fiktives Dorf in der Eifel, in dem (leider) fast alle Männer sterben. Diese nicht ganz alltägliche Situation gab mir Stoff für knapp 300 Seiten, auf denen ich mich nach Herz und Laune austoben konnte. In ein paar Tagen ist es nun soweit. Am 1. Mai erscheint Elf Meter im Gmeiner Verlag, zunächst als E-Book.