Aus Liebe

True Crime
Erschienen als E-Book und Taschenbuch bei Amazon

„Sie starb in meinen Armen. Mein Vater konnte es nicht ertragen, dass sie aus ärmeren Verhältnissen stammte, aber ich fühlte mich geborgen bei ihr. Ich wollte sie heiraten, ganz für mich haben, das war mein sehnlichster Wunsch.“

Fast 30 Jahre nach dem Verschwinden einer jungen Frau erzählt uns der Täter, was damals wirklich geschah.

Ein ehrgeiziger Kommissar gibt keine Ruhe.
Ein Ort will Gerechtigkeit.
Eine packende True-Crime-Story verwoben mit einer ausweglosen Liebesgeschichte.


Nachdem ich sie nach ihrem Selbstmordversuch in der Klinik besucht hatte, fühlten wir uns mehr denn je zueinander hingezogen.
Ich stellte fest, dass mein Entschluss, mich von ihr zu trennen, nur ein kurzes Aufflackern meiner Unsicherheit war. Dem Wunsch nachgebend, es meinem Vater recht machen zu wollen und damit Ruhe zu finden.
Nun schwor ich, sie nie mehr im Stich zu lassen. Sie brauchte mich, das merkte man doch! Sollte sich mein Vater doch auf den Kopf stellen! Es war schließlich mein Leben!
Ich musste sie nicht lange dazu überreden, von zu Hause auszuziehen. Sie war sich dessen bewusst, dass sie nicht einfach so zu ihren Eltern zurückkehren konnte. Irgendetwas musste passieren.
Schon zwei Wochen später nahm sie sich eine kleine Wohnung im Nachbarort, die sie mit ihrem Gehalt gerade so finanzieren konnte.
Mit meinem Ersparten half ich ihr beim Einrichten. Das war etwas, was mein Vater natürlich nicht wissen durfte. Ein Bett, ein Schrank, zwei bequeme Stühle – viel mehr brauchten wir nicht.
Bettwäsche und ein bisschen Geschirr bekamen wir von ihrer ältesten Schwester geschenkt. Einen kleinen Tisch hatte ich von der Uni mitgebracht und mit weißer Farbe lackiert. Ihre senfgelben Vorhänge dazu brachten den Raum zum Leuchten. Und das erste Mal im Leben gab es einen Ort, an dem wir ungestört glücklich sein konnten.

*
In meinen Semesterferien gab ich vor, wegen einer Seminararbeit an der Uni bleiben zu müssen, und verbrachte zwei Wochen lang nur mit ihr. Das ging, weil sie Urlaub nehmen konnte und mein Vater im Frühling auf dem Hof noch recht gut ohne mich auskam und deshalb nichts hinterfragte.
Wir frühstückten im Bett, mit Milchkaffee, labberigem Toast und Erdbeermarmelade. Einen Toaster hatten wir nicht.
Dann sahen wir meist bis mittags fern, liebten uns zwischendurch und schliefen manchmal danach wieder ein. Ein wohliger Dämmerschlaf, bei dem wir uns aneinanderschmiegten, den vertrauten Geruch des anderen einatmend, wissend dass wir zueinander gehörten und endlich zusammen sein durften.
Wir erwachten meist erst am frühen Nachmittag, von einem Hungergefühl oder den Sonnenstrahlen, die dann plötzlich durch die riesige Magnolie vor dem Haus auf den Zimmerboden fielen.
„Ich liebe dich. Ich werde dich heiraten“, sagte ich zu ihr, wenn ich ihr noch ganz nah war.
Und sie glaubte mir das.
Während sie in meinem Arm lag, spielte ich an ihrem Kettenanhänger, einem kleinen goldenen Fuchs.
Ich genoss den Moment. Hörte sie Pläne schmieden für unsere Zukunft. Lächelte dabei.
„Ein kleines Häuschen. Kein Luxus, lieber mit Charme.
Ein Garten, wenn möglich. Zwei Kinder, ein Hund?“
„Du willst mal Kinder?“, fragte ich überrascht. Die fürsorgliche Mutter kaufte ich ihr noch nicht ganz ab.
Sie nickte. Und strahlte. „Am liebsten einen Jungen und ein Mädchen!“
„Dann lass uns anfangen!“, sagte ich in diesem Moment übermütig, ließ ihre Kette los und begann sie zu streicheln.
An Stellen, die ich an ihr liebte. An denen sie es liebte.
Und wir ließen den Tag Tag sein und die Zeit Zeit.
In meiner Erinnerung war es die schönste und unbeschwerteste Phase meines Lebens gewesen.
Außer unseren ersten Spätsommernachmittagen am See.
Und den Abenteuern als Kind. Mit meinem Freund. Thomas.
Ich hätte mich ewig vor der Welt verstecken mögen.