Kann man schreiben lernen?

Ja, unbedingt. Man muss es sogar! Den Einstieg in meine literarische Arbeit habe ich einer Bestie zu verdanken. Einer 2-mm-Bestie. Pediculus humanus capitis – Die Kopflaus des Menschen. Ich hatte einen Wettbewerb für eine Kurzgeschichte in einer Eltern-Zeitschrift gefunden. Das Thema lautete in etwa: „Katastrophen des Alltags“ und ich fühlte mich leider davon angesprochen. In die Anthologie bin ich damals mit meiner Geschichte nicht gekommen. Der Grund dafür ist einfach: Es war der erste Text, den ich seit meiner Jugend geschrieben hatte. Und es wimmelte nicht nur auf unseren Köpfen von Läusen. Es wimmelte auch in diesem Text von gestelzten Formulierungen und typischen Anfängerfehlern wie Wortwiederholungen, falschem Tempus und unechten Dialogen. Ganz zu schweigen von einem ungekonnten Tagebuch-Stil, der die Geschichte überschattete.

Doch da war etwas. Da waren Formulierungen, die ergreifend waren. Da war ein Unterhaltungswert. Und vor allem die Lust am Schreiben. Etwas zog mich magisch immer wieder zum Laptop zurück, um die Geschichte zu Ende zu bringen. Irgendwann wurde das Schreiben dann ernsthaft. Bereits beim nächsten Text merkte ich, wie ich für Stunden in einen kreativen Bewusstseinszustand abtauchte. Ob das meinen Ehrgeiz entfacht hat? Ich weiß es nicht mehr. Aber ich fing an, mir sämtliche Bücher über Schreibhandwerk zuzulegen und Kurse zu besuchen. Las alles, was mir in den Weg kam. Verinnerlichte die Dramaturgie. Ich konnte den Text über die 2-mm-Bestie erneut schreiben und jetzt fühlen sich manche Formulierungen plötzlich magisch an. Er ist reifer geworden. Authentischer.

Nach einigen Jahren habe ich die Fachliteratur beiseite gelegt, weil sich mein Innerstes dagegen gewehrt hat. Ich belege nur noch selten Kurse zum Thema Schreiben. Lese weiterhin – allerdings nur noch kleine Schätze, die mir in Thema, Stil und Spannungsgehalt voll und ganz entsprechen und mich und meine Sprache weiterentwickeln. Und natürlich Fachliteratur zu Recherchezwecken. Ich bin eine Bauchschreiberin geworden mit einem Hauch von Planung. Mittlerweile kann ich damit sogar (ein bisschen) Geld verdienen. Ich habe eine Stimme gefunden. Sie ist meine größte Kostbarkeit. Neben der Liebe zum Buch.

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